Kolpingsfamilie Oberursel (Taunus) e.V.
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Unser Vorbild ist die christliche Familie

 Geschichte des Kolpingchors

(Aus: 1877 -  2002: 125  Jahre Kolping Oberursel. Festschrift aus Anlass der Jubiläumsfeiern vom 7. bis 16. Juni 2002 Kolpingsfamilie Oberursel e.V.)

Der Kolpingchor ist die älteste Korporation in der Oberurseler Kolpingsfamilie. Noch im Gründungsjahr des Oberurseler Katholischen Gesellenvereins bildeten mehrere junge Männer eine Gesangsgruppe, die den Volksgesang pflegte. Die Chronik berichtet von eigenen Konzerten, in denen überwiegend Volkslieder gesungen wurden. Die Erfolge waren Anlass und Ansporn, 1884 eine Gesangsabteilung als vierstimmigen Männerchor innerhalb des Gesellenvereins zu gründen. 86 Jahre lang fanden die Proben im Gasthaus ‚Zum Hirsch‘ statt; heute wird im Pfarrheim Liebfrauen geübt. In den ersten drei Jahren beschränkten sich die gesanglichen Darbietungen auf interne Veranstaltungen des Vereins. Aber bereits 1887 trat die Gesangsabteilung bei den Feiern zum zehnjährigen Bestehen des Oberurseler Gesellenvereins öffentlich in der St.-Ursula-Kirche auf. Von 1891 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges fanden dann regelmäßige ‚Winterkonzerte‘ in verschiedenen Oberurseler Sälen statt. Von Anfang an pflegten die Sänger religiös-kirchliches und weltliches Liedgut.
Heute ist das Repertoire des Männerchores sehr vielfältig und flexibel. Es reicht von Kirchenmusik und Negro-Spirituals über Musicals wie ‚Cats‘ und ‚My fair Lady‘ bis zu italienischen und englischen Liedern; hier kommt auch der Kontakt zu anderen Chören wie beispielsweise dem ‚Odd Fellows Male Voice Choir‘ aus Rushmoor zum Tragen. Kompositionen der Klassik und Romantik sowie Werke moderner Tondichter werden einstudiert und vorgetragen.
Die Chortradition ist in langen Jahren gewachsen und gereift. Die Sängergemeinschaft hat so lange sie besteht das religiöse und kulturelle Leben in der Stadt und ihrem Umland bereichert. Es war und ist selbstverständlich, dass der Kolpingchor die Werte Adolph Kolpings  die ‚reife Persönlichkeit, die Familie, den Beruf, den gelebten Glauben und die Gesellschaft‘  in seine Arbeit mit einbezieht. Weil dabei die eigene Freude nicht zu kurz kommt, können die Sänger auch ihren Mitmenschen Freude schenken.

Kolpingchor im Advent 2001

Das Bild zeigt den Chor in der Liebfrauenkirche nach einem Konzert am 2. Adventssonntag 2001. Von links nach rechts in der hinteren Reihe Manfred Hetjes (Vorsitzender und Vizedirigent), Hans Eid, Robert Mag, Bernhard Schmitz-Bernard (Dirigent), Ludwig Steyer, Franz Öffinger, Hans Hermann, Karl Haas, Klaus Henke und Heinrich Walz; in der mittleren Reihe Willi Köhler, Horst Jung, Gerhard Hohmann, Peter Jörges und Bernhard Ott; in der vorderen Reihe Franz Josef Schauer, Manfred Friedrich, Norbert Happel (stellvertretender Vorsitzender), Fred Spreitzer, Karl Zentgraf und Manfred Moses.


Von den im Jubiläumsjahr 2002 aktiven Sängern fehlen auf dem Bild Willi Gab (Ehrenpräsident), Reinhard Happel, Franz Josef Jost, Dieter Volz, Franz Klug, Franz-Günter Klug, Hans Rauch, Josef Trapp, Manfred Gab, Hans Dieter Vosen und Hans Wende. Darüber hinaus gibt es noch einige ehemalige Sänger, die den Chor weiterhin mit ihrem Beitrag unterstützen.

Das Leben im Chor hat immer das Leben innerhalb des Gesellenvereins und der Kolpingsfamilie reflektiert. Der Erste Weltkrieg brachte durch die Einberufung eines Großteils der Sänger eine Unterbrechung der Chortätigkeit. Auch nach der Wiederaufnahme der Proben im Mai 1919 waren  wie im ganzen Vereinsleben  Inflation, wirtschaftliche Schwierigkeiten und Arbeitslosigkeit negative Begleiter der Chorarbeit. Um 1925 begann für den Chor eine neue Blütezeit mit vielen erfolgreichen und festlichen Auftritten in der Öffentlichkeit. 1931 wurde in Oberursel ein großer Liedertag veranstaltet. Über 40 Sänger waren damals im Kolpingchor aktiv. Trotz aller Schikanen der braunen Machthaber lief der Vereinsbetrieb auch in den ersten Jahren des ‚1000-jährigen‘ Hitlerreiches noch relativ ruhig ab. Dazu waren die in ahnungsvoller Voraussicht von Köln aus in die Wege geleiteten Umstrukturierungen und die Namensänderung  aus dem ‚Katholischen Gesellenverein‘ wurde die ‚Kolpingsfamilie‘ mit ‚ernannten‘ Leitungsgremien  sehr hilfreich. Da aber nach etwa 1935 öffentliche Veranstaltungen von Gruppierungen außerhalb der NS-Organisationen verboten waren, ging auch die Arbeit des Kolpingchores nach der letzten Generalversammlung 1937 zurück. Der Zweite Weltkrieg unterbrach dann die Chortätigkeit bis zum Neuanfang 1946 ganz.
Die meisten Chormitglieder wirkten immer auch aktiv in der Kolpingsfamilie, der allgemeinen Vereinsarbeit und in den Leitungsgremien mit. Doch wurde es auch notwendig, in einzelnen Abteilungen zusätzlich eigene Vorstände zu bilden. Das ist bis heute als bewährt beibehalten worden. Auch wenn sich in den einzelnen Abteilungen ein eigenes Gruppenbewusstsein entwickelte, sind sie gegenüber dem Gesamtvorstand verantwortlich und werden von ihm unterstützt.
Es würde zu weit führen, im Rahmen der Festschriftchronik die einzelnen Aktivitäten des Chores breit darzulegen. Verwiesen werden muss aber auf die vielen Beteiligungen des Chores bei Gottesdiensten, Kirchenkonzerten, Jubiläen, bei der Maiandacht im Hessenpark, beim Volkstrauertag auf dem Friedhof, auf ‚sängerinternen‘ Festen und selbstverständlich auch auf die ‚B-Mannschaft‘, wie sich die Gruppe einstens junger Sänger nannte, die sozusagen als ‚schnelle Eingreiftruppe‘ immer dann gefordert ist, wenn es gilt, ein Ständchen zu besonderen Gelegenheiten zu bringen . Ohne diese Gemeinschaft wären z. B. die jahrelange Ausrichtung der Brunnenfesthöfe des Chores, zunächst bei Karlheinz Esch und später bei Hans Sagert, nicht so erfolgreich zustande gekommen. Sie wurden 20 Jahre lang von Beginn der Brunnenfeste bis zum Jahre 1999 regelmäßig durchgeführt.
Herausragendes Ereignis war 1984 das 100-jährige Jubiläum des Kolpingchores. Dieses Jahr wird allen Beteiligten unvergessen bleiben mit der Fahrt an Ostern nach Rom, dem Festgottesdienst in Liebfrauen, dem Brunnenfest im Juni, dem Familienausflug im September in den Westerwald und dem Festabend im Oktober. Hier muss auch ein Mann stellvertretend für den Festausschuss herausgestellt werden: Der langjährige Präsident Willi Gab. Er hat damals die Veranstaltungen federführend vorbereitet und koordiniert und hat dabei auch nicht vergessen, denen zu danken, die ihn unterstützt haben: Dem Chorleiter, den Solisten und Vizedirigenten Manfred Hetjes und Franz Josef Jost, den Sängerfrauen und dem Festausschuss. Willi Gab hatte dieses Amt seit 1972 inne, bis er es nach 22 Jahren 1994 an seinen Nachfolger Manfred Hetjes abgab, der die Abteilung bis heute führt. Im gleichen Jahr wurde der vorherige Dirigent Willi Eutebach abgelöst von Bernhard Schmitz-Bernard, der den Chor bis heute leitet.
Aus den Jahren 1984 bis 2001 sollen einige Höhepunkte hervorgehoben werden. Das sind bis heute die fast jährlichen öffentlichen Konzerte mit eigenen oder engagierten Solisten manchmal auch zusammen mit befreundeten Chören. Im Jahre 1994 wurde das 110-jährige Jubiläum gefeiert. Hierbei herausragend waren der Festgottesdienst in der Liebrauenkirche mit dem ehemaligen Präses Pfarrer Rainer Prade als Zelebrant, der Toscana-Fahrt und dem Jubiläumskonzert mit dem schon oben erwähnten Chor aus Rushmoor in der Stadthalle. Von bleibender Erinnerung war die Fahrt nach St. Petersburg-Peterhof, der Partnerstadt von Bad Homburg bei St. Petersburg, im Jahre 1998 zusammen mit dem Chor der PIV Bad Homburg, mit dem zusammen ein Konzert im Thronsaal des Peterhofer Schlosses stattfand, das im Herbst des gleichen Jahres noch zweimal  in Oberursel und in Ober-Erlenbach  dargeboten wurde.
Der Chor hat heute 32 Sänger. Leider liegt der Altersdurchschnitt sehr hoch, so dass für die kommenden Jahre dringend Neuzugänge in allen Stimmlagen erforderlich sein werden. Natürlich bedarf es eines umfangreichen Engagements eines jeden Sängers: Die wöchentlichen Proben, die jährlichen Auftritte bei Gottesdiensten und Festen, etwa 1015 an der Zahl. Dafür geboten wird aber auch eine echte Gemeinschaft, in der eine qualifizierte gesangliche Ausbildung erfolgt und anspruchsvolle Musikliteratur eingeübt und Auftritte vorbereitet werden. Ergänzt wird das noch durch die Geselligkeit, sei es bei Treffen der Sangesbrüder und deren Familien, bei den Ausflügen oder bei den jährlichen Adventsfeiern. Als Ganzes eine Abteilung im Rahmen der Gesamtarbeit der Kolpingsfamilie Oberursel, der man noch lange Bestand und Erfolg wünscht.